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Peter-und-Paul-Fest, Bretten



Das Peter-und-Paul-Fest zu Bretten

Wahrscheinlich fußt die Beurteilung begeisterter Festbesucher, das Peter-und-Paul-Fest in Bretten sei das älteste, größte und schönste Heimatfest Südwestdeutschlands auf vielfältigen subjektiven Eindrücken, doch ist diese Beurteilung durchaus Maßstab für die Attraktivität des alljährlich am ersten Juli-Wochenende stattfindenden Festes, das Jahr für Jahr von Freitag bis Montag ca. 120.000 Besucher in die große Kreisstadt Bretten lockt. Ein vielseitiges und buntes Festprogramm bietet dabei nahezu für jeden Geschmack etwas, wofür es sich lohnt, Bretten einen Besuch abzustatten. Schwerpunkt des Fests ist die Darstellung von Ereignissen aus der Brettener Stadtgeschichte. Schließlich lautet das übergreifende Festmotto Eine Stadt lebt ihre Geschichte, und dabei achten die Verantwortlichen auf größtmögliche Authentizität. Bezug genommen wird vor allem auf drei geschichtliche Entwicklungen:

  • Das für Bretten glückliche Ende einer Belagerung im Jahre 1504 während des bayrisch-pfälzischen Erbfolgekrieges,
  • die Tradition der Bürger in Wehr und Waffen,
  • der Schäferlauf, zu dem sich die Schäfer aus dem gesamten Umland versammelten.

Letzterer ist durch Urkunden in Bretten belegt, auch wenn Bretten nicht zu den mehr bekannten vier Schäferlaufstädten Südwestdeutschlands gezählt wird. In einer Urkunde des Kurfürsten Philipp aus dem Jahre 1497 wird jedenfalls der Schäferlauf am Lorenze marg (Laurentiusmarkt, abgehalten am 10. August) ausdrücklich erwähnt.
Auch die Tradition der Bürgerwehren lässt sich bis zu den Bürgerwachen des Mittelalters zurückverfolgen. So ist in einer Urkunde von 1369 davon die Rede, dass ein Pfeifer des Pfalzgrafen Ruprecht bis vor die Stadt auspfeifen solle, wen die Bürger Brettens zum Bürgerfreischießen ausziehen. 1517 wurde die Heilbronner Schützengesellschaft zum Wettschießen eingeladen und der bekannte Ladebrief an die Nürnberger aus dem Jahre 1578 ist ein weiterer Beweis für die rege Tätigkeit einer Schützengesellschaft in Bretten. Die Verbindung der Bürger in Wehr und Waffen zum Peter-und-Paul-Fest ist allerdings erst im Jahre 1824 belegt. Damals bestätigte Großherzog Ludwig von Baden die Statuten für das uniformierte Bürgermilitär zu Fuß in Bretten.  Darin war als Zweck u.a. ausgeführt die Erhöhung der Würde und Feyer der Feyertage sowie der städtischen Volksfeste, namentlich des Gedächtnistages der siegreichen Abschlagung der württembergischen Belagerung unter Herzog Ulrich durch Brettener Bürger.
Damit haben wir den dritten Hinweis auf den geschichtlichen Hintergrund des Peter-und-Paul-Festes. Ausgangspunkt waren wie so oft Erbstreitigkeiten, und zwar zwischen Pfalzgraf Philipp in Heidelberg, zu dessen Kurpfalz die Amtsstadt Bretten gehörte, und den Herzögen von Bayern-München. Jene hatten prominente Unterstützung; darunter Herzog Ulrich von Württemberg, der den Kraichgau angriff und mit einem großen Heer Bretten belagerte. Georg Schwarzerdt, ein jüngerer Bruder Philipp Melanchthons, hat das Geschehen des Jahres 1504 in einer Chronik detailliert beschrieben und so eine hervorragende Vorlage für die Darstellungen beim Peter-und-Paul-Fest geliefert.
So treten unter dem Tagesmotto Bretten rüstet sich am Freitagabend Landsknechtstrupps zur Musterung von Handwerkern und Bürgern auf dem Brettener Marktplatz an. Der Samstag steht unter dem  Tagesmotto Bretten wehrt sich und präsentiert das Geschehen während der Belagerung bis hin zur Inszenierung des gelungenen Ausfalls der Belagerten bei der so genannten Schlacht am Simmelturm. Dieser Ausfall fand 1504 übrigens am 28.06., dem Tage vor dem kirchlichen Peter-und-Paul-Tag statt und führte zu Friedensverhandlungen sowie dem Abbruch der Belagerung. Dieser zeitlichen Nähe zum kirchlichen Gedenktag hat das Brettener Fest auch seinen Namen zu verdanken. Deshalb wird es auch immer am Wochenende nach dem 29.06. gefeiert. Gefeiert werden am Festsonntag unter dem Tagesmotto Bretten feiert dabei der erfolgreiche Ausfall der Belagerten und das glückliche Ende der Belagerung. Im Mittelpunkt des Feierns steht der große historische Festzug am frühen Sonntagnachmittag mit weit über 3000 Beteiligten.
Besondere Attraktivität neben der Darstellung der Belagerung aus dem Jahre 1504 erhält das Peter-und-Paul-Fest aber auch durch die Darstellung des Lebens und Treibens in der Stadt jener Zeit. Verteilt auf die ganze Altstadt Brettens kann man bis zu 50 verschiedene Gruppen in ihrem spätmittelalterlichen Alltag beobachten: von verschiedenen Handwerkern und Gelehrten über Bauern, Landsknechte, Händler und Schäfer bis hin zur beeindruckenden Artillerie, Gauklern, Musikanten, frommen Leuten und fahrendem Volk. Sie alle unterhalten die Besucher und sich selbst mit Darstellungen ihres täglichen Lebens und Arbeitens. Selbst ein Pestumzug und ein Henker gehören zu den Bildern aus dieser Zeit. In- und ausländische Gastgruppen komplettieren ein vielfältiges Programm, und wer Lust hat, kann jeden Abend ab 23.00 Uhr auf dem Kirchplatz mit Gleichgesinnten mittelalterliche Tänze tanzen.
Auch die Anhänger der Bürgerwehrtradition kommen auf ihre Kosten. Nach dem Schießwettbewerb zur Erinnerung an das mittelalterliche Freischießen werden die Sieger beim Einzug der Gäste am Samstagnachmittag geehrt. Abends gestalten Musikzüge und Fanfarenzüge ein festliches Programm auf dem Marktplatz, dessen Abschluss der große Zapfenstreich bildet, ausgeführt durch den Musikzug der Bürgerwehr Bretten. Die Wehren treten am Sonntagmorgen im Friedhofspark zur ökumenischen Morgenfeier an und ihre Spielmannszüge spielen danach zum Frühschoppen im Festzelt auf. Ein prächtiges Bild bieten die Bürgerwehren beim historischen Festzug am Sonntagnachmittag, musikalisch ergänzt durch die beiden Brettener Fanfarenzüge und deren Gäste.
Wichtig sind der Vereinigung Alt-Brettheim als Festveranstalter auch Angebote für Familien mit Kindern. Hinzuweisen ist dabei auf den Kindernachmittag am Samstag in der Simmelturmarena sowie auf das Kinderfest am Montagnachmittag auf dem Marktplatz und den angrenzenden Straßen und Gassen unter dem Motto Vom Knappen zum Ritter.
Die weniger am Historischen Interessierten finden Unterhaltungsmöglichkeiten im Vergnügungspark in der Sporgasse mit Fahrgeschäften, Verkaufsbuden und dem Festzeltprogramm oder bei den abendlichen Konzerten auf der Marktplatzbühne und im Melanchthonhaus.
Großen Anklang bei den Besuchern findet auch das alljährliche Brillanthöhenfeuerwerk am späten Samstagabend oder der urige Schwartenmagenumzug des vereinigten Gesangvereins am Montagvormittag.
Und so steht jedes Jahr am Ende der fünften Brettener Jahreszeit für Aktive und Zehntausende begeisterter Festbesucher fest, dass man im nächsten Jahr wieder dabei sein wird, wenn die Brettener ihr Peter-und-Paul-Fest feiern, und das seit 1950 ohne Unterbrechung.


Mehr Infos unter: www.peter-und-paul-fest.de

 

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